Warum die Konzentration bei ADHS Probleme bereitet

Warum ist das eigentlich so? Warum haben Menschen mit ADHS Probleme mit der Konzentration?

An dieser Stelle könnte man jetzt ganz tief in die Neurobiologie des Gehirns einsteigen und sich anschauen, wie Konzentration – oder besser gesagt Aufmerksamkeit eigentlich entsteht. Dieses Thema vertiefe ich aber an einer anderen Stelle, da es hier den Rahmen sprengen würde.

Es sei an dieser Stelle nur so viel gesagt: Unser Gehirn hat einen zentralen Bereich für die Steuerung unserer Aufmerksamkeit – das Frontalhirn (ein Hirnbereich hinter unserer Stirn).

Die Sache mit dem Frontalhirn und dem Dopamin

Im engen medizinischen Sinne müsste man die Begriffe Aufmerksamkeit und Konzentration eigentlich trennen, das tue ich hier der Verständlichkeit halber jedoch nicht. Das Frontalhirn ist also für die Steuerung unserer Aufmerksamkeit/Konzentration zuständig und bei ADHS erledigt das Frontalhirn seine Aufgabe nicht ganz zuverlässig. Das liegt an einer Besonderheit im Dopamin-Gehirnstoffwechsel (auch dazu an anderer Stelle mehr). 

Ganz kurz und vereinfacht zusammengefasst kann man sagen: je mehr Dopamin im Frontalhirn ausgeschüttet wird, desto besser können wir uns konzentrieren (und überhaupt insgesamt steuern). Das ist bei jedem Menschen so. Mehr Dopamin im Frontalhirn führt zu besserer Leistung dieses Bereiches. Ein ganz normaler Vorgang.

Jetzt ist natürlich die Frage, wann wie viel Dopamin ausgeschüttet wird. Grundsätzlich lässt sich dazu sagen, dass jeder von uns einen Extra-Dopamin-Kick hat und verstärkt Dopamin ausschüttet, wenn wir etwas machen, wozu wir INTRINSISCH motiviert sind. Wozu wir also aus uns selbst heraus Lust haben, was uns wirklich interessiert. Das führt dazu, dass wir uns dann automatisch und ohne viel Anstrengung viel besser konzentrieren können, als wenn wir etwas machen müssen, wozu wir nicht intrinsisch motiviert sind.

Wenn wir etwas tun wollen/sollen, was uns nicht wirklich Spaß macht, dann schütten wir weniger Dopamin aus, bzw. unser Dopaminspiegel im Frontalhirn sinkt ab. Dann wird die Sache mit der Konzentration schwieriger, wir sind schneller bereit, uns auf Ablenkungen einzulassen.

Dieser neurobiologische Mechanismus ist die Grundlage dafür, dass Sie – wie Sie sicherlich selbst bei sich schon festgestellt haben – bei manchen Aufgaben oder in manchen Situationen gut konzentrieren können und bei manchen schlecht.

ADHS-Menschen können sich konzentrieren, sie haben NICHT per se eine Konzentrationsstörung. Aber die Konzentration ist leicht störbar und abhängig von verschiedenen Bedingungen.

Und hier steckt auch die Grundlage des Vorwurfs, den ADHS-Menschen oft hören: „Du kannst ja, wenn du willst“. Richtig. Aber das Wollen, das zu einer Dopaminausschüttung im Frontalhirn führt, kommt nicht aus dem „kognitiven Wollen“ („man muss eben Wollen“), sondern aus einer echten Motivation, die Dopamin produziert.

Und mal ehrlich – wer von uns Erwachsenen hat früher intrinsisch motiviert seine Hausaufgaben gemacht? Wer von uns ist intrinsisch motiviert und hat Lust auf Bügeln? Papier abheften? Arbeitszeiten in Tabellen eintragen?

Alles Dinge, die unseren Dopaminspiegel im Frontalhirn absacken lassen. Kein Dopamin, keine Konzentration (und darüber hinaus ebenfalls keine Ausdauer, Handlungsplanung, Impulskontrolle, etc. – das Frontalhirn hat eine ganze Reihe von Aufgaben).